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Tiniteqilaq - Hundeschlittentour in Ostgrönland![]() Wenn man im Winter in Ostgrönland durch eine Siedlung geht, begegnet man oft Szenen wie dieser: ein I v i , so nennen sich hier die Inuit, kommt zu seinen Hunden, wird freudigst begrüßt, legt ihnen das Geschirr an und macht sich anschließend mit dem Gespann vor seinem Hundeschlitten auf den Weg, meistens zur Jagd oder auch zur Reise nach einem anderen Ort. Es ist Anfang März 2006, unsere Reise beginnt in Tasiilaq, dem Hauptort der Region Ammassalik, rundherum noch 7 kleinere Siedlungen. In ganz Ostgrönland gibt es nur 2 bewohnte Gebiete, das nächste ist 800 km entfernt. Auf 10000 Kilometer Küstenlänge leben hier nur 3500 Menschen. Und nur im Sommer (3 Monate lang) können zur Versorgung Schiffe hierher kommen, in der übrigen Zeit macht dies ein oft vor der Küste liegender Packeisgürtel unmöglich. ![]() Am zugefrorenen Hafen treffen wir unsere Hundeschlittenführer. Die Preise für ihr Engagement zur Tour sind hoch gewesen, denn die letzten drei Winter war es sehr warm, es gab zu wenig Eis, dadurch zu wenig erbeutete Nahrung (Fisch, Robben) – so mussten von den ca 4000 Grönlandhunden im Ort 1000 getötet werden und jetzt fehlen sie im ersten Winter mit wieder normalen Schneeverhältnissen. Letzte Vorbereitungen - damit die Hunde noch nicht loslaufen, wird ihnen eine Pfote hochgebunden, das Gepäck wird verstaut – dann geht es los zu unserer zweitägigen Tour nach Tiniteqilaq, einem kleinen Jägerort auf der anderen Seite des Landstrichs. ![]() Den ganzen Morgen lang hatte die Sonne klar geschienen, doch nun zieht innerhalb von Minuten vom Meer Nebel auf, in den wir hineinfahren. Zu zweit sitzen wir auf einem Schlitten, der Schlittenführer noch vorne davor. ![]() Ungefähr 10 Hunde sind vor einem Schlitten, angeführt durch ein Leittier, sie sind kräftig und haben Spaß am Ziehen, der Schlittenhundeführer lenkt sie durch kurze, spitze Kommandos wie ili ili ili (nach rechts) oder iu iu iu (nach links). Sie laufen im Fächergespann, d.h. jeder Hund ist mit einer separaten Leine mit dem Schlitten verbunden und kann sich so nicht nur selbst seinen Weg über das oft unebene Meereis suchen, sondern auch seinen Platz im Gespann. Zunächst fahren wir über den zugefrorenen Kong Oscar Meeresfjord und dann landeinwärts über mehrere Seen, so lassen sich per Schlitten die Entfernungen im Winter viel schneller zurücklegen als im Sommer zu Fuß. ![]() Nach ca 2 Stunden halten wir zur ersten Pause, der Schlitten wird über seine Notleine (falls der Fahrer abgeworfen wird während der Fahrt, versucht er sich an dieser Leine im Schnee noch am Gespann festzuhalten) am einem Eisklotz gesichert. Sofort beginnt die Arbeit, die einzelnen Hundeleinen, die ständig durch den temperamentvollen Lauf der Hunde durcheinander geraten, werden wieder neu sortiert. Dies muß Lars, unser Schlittenführer, auch manchmal während der Fahrt machen. Zur Verpflegung gibt es Trockenfisch. ![]() Weiter geht die Fahrt, es wird steiler, an manchen Berghängen müssen wir absteigen und neben dem Schlitten hochlaufen, was im manchmal tiefen Schnee und im Tempo der Hunde sehr schweißtreibend sein kann. Wir haben Glück mit dem Wetter, es ist ein wunderschöner klarer Wintertag, glänzende Schneelandschaften mit stiller Luft. Auf den ersten Abfahrten steht Lars nun hinten auf dem Schlitten, ständig bereit , auf seine Krallenbremse zu treten – und Metallketten als zusätzliche Bremsen wurden auch vorher um die Kufen gewickelt. Wir müssen lernen, das Gewicht auf dem Schlitten auszugleichen, denn oft geht es in einem Höllentempo den Berg hinunter – und der eine oder andere wird dabei auch in den Schnee befördert. ![]() Am Nachmittag kommen wir zu einem über 600 m hohen Gletscher, den es zu überwinden gilt. Weite Teile ziehen uns die starken und ausdauernden Hunde hinauf, sie können Gewichte bis 400 kg bewältigen. Oben angekommen, öffnet sich ein phantastischer Blick weit über den Sermilik Fjord bis hinüber zum beginnenden Inlandeis auf der anderen Seite. Von hier aus gibt es nichts anderes mehr als mehrere Hundert Kilometer Eis bis zur Westküste. ![]() Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir schließlich Tiniteqilaq. Es ist ein kleiner Ort, von ca 30 Ivis bewohnt, hauptsächlich Jägerfamilien. Er liegt direkt am Sermilik Fjord, der einer der eisreichsten Fjorde in Ostgrönland ist, da er von drei großen Gletschern des Inlandeises gespeist wird. Die Häuser werden warm angestrahlt vom letzten Sonnenlicht und bald naht auch schon die blaue Stunde. ![]() ![]() ![]() In der Nacht erleben wir über lange Zeit wunderbare Polarlichter am Himmel; früh am Morgen taucht die Sonne langsam Fjord und Berge in zunächst sanfte, aquarellfarbene Stimmungen, später strahlen sowohl die großen wie auch die kleinen Eisstrukturen in knalligem Weiß. ![]() ![]() ![]() ![]() Das Leben erwacht im Dorf, die Kinder, mit denen wir gestern abend schon Freundschaft geschlossen haben, spielen mit ihren Schlitten, einige Männer gehen zum Eisfischen los. ![]() ![]() ![]() ![]() „Gebt mir Winter, gebt mir Hunde – alles andere könnt ihr behalten“, dies sagte einst der berühmte Polarforscher Knud Rasmussen, dessen Expeditionen in den 1920er Jahren ohne den Einsatz von Schlittenhunden nicht möglich gewesen wären. Seit über 1000 Jahren sind diese Tiere die wichtigsten Begleiter der einheimischen Jäger. Sie helfen beim Erschnüffeln der Atemlöcher der Robben, sie schützen vor ungebetenen Eisbären, ihr dichtes Fell mit reicher Unterwolle schützt sie optimal vor Kälte und sie bewältigen maximale Strecken von bis zu 200 km am Tag (während eines Winters bis zu 10000 km). Sie verkörpern eine uralte Art der Fortbewegung, die sich über Jahrhunderte bewährt hat und den verschiedenen Inuit Gruppen eine Ausbreitung über weite Teile der arktischen Welt ermöglichte. All dies geht mir auf der Rückfahrt durch den Kopf. Inzwischen habe ich mich an das Sitzen auf dem Schlitten viel mehr gewöhnt, es macht sogar Spaß, die oft heftigen und unerwarteten Bewegungen körperlich auszugleichen. Gleichzeitig erlebe ich aber auf den mehr geraden Passagen eine tiefe Ruhe, ein innerliches Eintauchen in die winterlichen Landschaften, in die Weite und Unberührtheit dieser Region, in das Bestaunen von Millionen funkelnder kleiner Eiskristalle ringsherum .... .... kurz und gut: am Schluß der Reise möchte ich eigentlich noch tagelang so, hinter Lars sitzend, weiterfahren. ![]() <<< zurück | ||||
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