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| Jökulsárlón - ein Tag an der Gletscherlagune im Süden Islands
Es ist früh am Morgen, Ende Februar 2006, die Morgenröte zeigt sich heute in intensivster Farbenvielfalt über dem Meer an der Küste Südislands. Gestern habe ich Unterkunft gefunden in einem gemütlichen Gästehaus einer isländischen Schafsfarm, habe den Abend mit der alten Farmerin gesprochen über die hier stark spürbaren Klimaveränderungen (so sind die Tiere jetzt schon auf der Weide, was sonst erst im Mai passiert; Schnee gab es diesen Winter praktisch gar nicht) - doch nun fahre ich schnell weiter die kurze Strecke bis zur Gletscherlagune Jökulsárlón.
Hier im Süden Islands liegt der Vatnajökull, größter Gletscher in Island, fast 10x so groß wie der größte auf dem europäischen Kontinent. Vor 100 Jahren reichte eine seiner Gletscherzungen, der 18 km breite Breidamerkurjökull, praktisch bis ans Meer heran, doch er hat sich seitdem kontinuierlich zurückgezogen und kalbt nun an seiner Abbruchkante in die entstandene Gletscherlagune hinein. Der kürzeste Fluß Islands, der Jökulsá mit nur 250 Metern Länge, verbindet sie mit dem Meer.
Inzwischen ist die Sonne hinter den dichten Wolken verschwunden und ich nutze den Vormittag, um auf der Moräne am Seeufer entlang zu gehen. Es weht ein kalter Wind vom Gletscher herüber, überall treiben Eisstücke auf dem Wasser umher, in allen Größen, in allen Formen. Ständig ist ein Knacken sich berührender oder auseinanderbrechender Stücke zu hören, gleichzeitig blubbert der im Schmelzprozeß freigesetzte Sauerstoff mit kleinen Blasen an die Oberfläche.
Gegen Mittag setzt sich die Sonne wieder gegen die Wolken durch, im Hintergrund leuchtet der Breidamerkurjökull und in der Nähe spiegeln sich die Eisberge im jetzt ruhigen Wasser. Überall funkelt es in verschiedensten Blau- und Grüntönen.
Nicht nur im Wasser, auch am Ufer liegen viele kleine Eisstücke herum, teilweise glasklar, mit feinen Adern durchzogen. Das Alter dieses Eises liegt zwischen ein paar und über tausend Jahren, das ist schon ein ganz besonderes Gefühl, solch ein Stück in die Hand zu nehmen und diese Zeitspanne in der Phantasie an sich vorbeifliegen zu lassen.
Am frühen Nachmittag sind die Eindrücke von Wolken, Bergen, Steinen, Sonne, Licht, Wasser, Eis, Formen und Farben so stark geworden, dass alles in einer wabernden Überreiztheit verloren zu gehen droht …..
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