Elefantenmutter mit Neugeborenem

Auf Safarifahrt am Nachmittag des 23. Februars 2005 in der südlichen Spitze der Serengeti in Tansania – noch sind uns nicht viele Tiere begegnet. Es ist heiß, die meisten haben sich wohl an einem gemütlichen Schattenplatz zur Siesta zurückgezogen. Doch plötzlich treffen wir auf eine Elefantenmutter mit ihrem anscheinend vor kurzem geborenen Baby. Bei genauem Hinschauen sehen wir, wie die Nabelschnur noch ein Stück am Körper herunterhängt. Das Kleine steht auf wackeligen Beinen unter dem Körper der Mutter, eigentlich jederzeit bereit wieder umzukippen. Es torkelt hin und her, sucht wahrscheinlich die Zitze, kennt aber letztendlich noch nicht den richtigen Ort. Die Mutter berührt es liebevoll und sanft immer wieder mit ihrem Rüssel und versucht so, Stabilität und Orientierung zu stärken. Wir sind gefangen von der Schönheit dieser Szene und schauen einfach nur zu.

Nach einer langen Zeit legt die Elefantin ihren Rüssel über einen Stoßzahn und beginnt mit vorsichtigen, kleinen Schritten loszugehen, indem sie gleichzeitig ihr Junges durch Töne und Berührungen animiert mitzukommen. Das Kleine schwankt hin und her, knickt auch mal weg mit seinen Beinen, findet aber letztlich einen langsamen möglichen Gang unter dem Körper der Mutter oder zwischen ihren vorderen Beinen. Hinaus geht es aus einer Region mit Büschen rundherum auf eine etwas freiere Fläche.
 Immer wieder gibt es kleine Pausen, die Mutter nimmt Kontakt mit ihrem Rüssel auf, die unterschiedlichsten Laute schwirren durch die Luft. Das Kind hat noch immer nicht herausgefunden, wie es an die begehrte und lebensnotwendige Muttermilch gelangen kann. Wir vermuten, dass sich die beiden Tiere in Richtung ihrer kleinen Herde zurückbewegen (die Elefantengeburt findet oft etwas abseits statt), fahren ein Stück vor und sehen auch bald die kleine Herde auf einer Lichtung im Akazienwald grasen. Mutter und Kind kommen langsam nach und tauchen dann in Sicht- und Geruchsweite auf. Plötzlich durchbricht ein ohrenbetäubendes Trompeten die Stille, der Leitbulle hat Witterung aufgenommen und beginnt aus dem Stand in hoher Geschwindigkeit, im Schlepptau ebenfalls ein jüngeres Kind, auf Elefantenkuh und Neugeborenes zuzurasen, alle anderen Familienmitglieder mit Gebrüll donnernd hinterher.
 Mutter und Kind werden freudig umringt, mit Lauten aller Art begrüßt, von allen Seiten mit Staub beschmissen und immer wieder fest und eng in der Mitte gedrückt. Erst nach langer Zeit macht sich die Familiengruppe auf den Weg zurück zur Lichtung – der Weg eines weiteren Elefantenlebens hat begonnen.

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